Reiseapotheken -
Inhalt sollte gut geplant werden
Die
Koffer sind gepackt, die Flugtickets in der Tasche und das Taxi zum
Bahnhof schon längst bestellt. Doch dann, im letzten Moment, noch ein
kleiner Schreck: Die Reiseapotheke ist ja gar nicht verstaut! Rasch
werden Tuben, Pillen und Fläschchen aus dem «Giftschrank» im
Badezimmer eingesammelt, und los geht's. - Wer seine Reiseapotheke auf
diese Weise zusammenpackt, könnte im Ernstfall im Ausland dumm
dastehen. Statt zufällig irgendwelche noch vorhandenen Mittel gegen
Fieber und Durchfall einzupacken, sollten Touristen ihr
Arzneimittel-Paket für unterwegs lieber rechtzeitig auf der Grundlage
einer individuellen Beratung zusammenstellen, empfehlen Experten.
Egal, ob es in die Bretagne oder nach Brasilien geht: Einige Dinge
sollten Reisende auf jeden Fall im Gepäck haben. Dazu gehören neben
Mullbinden, Pflastern, Pinzette, Schere und einem Fieberthermometer auch
Medikamente gegen Durchfall, Magenverstimmung, Erkältungen, Schmerzen
und Fieber, raten die Krankenkassen in Deutschland. Darüber hinaus sollte in jedem Fall an Mittel gegen
Insektenstiche und Sonnenbrand sowie an ein Wasser abweisendes
Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor gedacht werden.
Beim Sonnenschutz haben die Deutschen inzwischen dazu gelernt: «Die
Nachfrage hat in den Apotheken enorm zugenommen», weiß Martin Schulz
von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in
Eschborn bei Frankfurt. An andere Dinge werde dagegen oft nicht gedacht
- etwa daran, dass für kleine Kinder in südlichen Ländern Mittel
gegen die so genannte Windeldermatitis und gegen Durchfälle benötigt
werden könnten. Eine Beratung durch den Arzt oder Apotheker vor der
Abreise könne da in vielen Fällen hilfreich sein, so Schulz.
«Problematisch
ist, dass viele Last-Minute-Urlauber sehr schlecht vorbereitet in
Richtung Sonne fliegen», klagt Schulz. Zum Teil würden Reisen in
Malariagebiete ohne Medikamenten-Prophylaxe gestartet. Doch auch bei
Ferien am Mittelmeer herrsche oftmals Sorglosigkeit vor. Der Gedanke, im
Zweifelsfall die Medikamente auch vor Ort zu bekommen, sei zwar nicht
grundsätzlich falsch - «doch wenn der Durchfall dann ausgerechnet am
Samstag abend beginnt, hat man schon ein Problem». Schulz appelliert
daher, bei kleinen Kindern und Senioren ab 65 Jahren darauf zu achten,
dass alle Medikamente, die im Urlaub benötigt werden könnten, schon
aus Deutschland mitgenommen werden.
Ansonsten können Arzneimittel in den Ländern der Europäischen Union
bedenkenlos auch vor Ort gekauft werden, sagt Professor Erich Kröger,
Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf. Zum Teil
seien die Arzneien im Ausland auch günstiger als in Deutschland. In
anderen Regionen der Welt, etwa in Westafrika oder großen Teilen Südostasiens,
«ist dagegen Vorsicht angebracht: Man weiß nie, ob die wichtigen
Substanzen tatsächlich in den angebotenen Medikamenten enthalten sind
oder nicht». Um in den Tropen kein Risiko einzugehen, sei auch die
Mitnahme einer sterilen Einwegspritze sinnvoll, die der Arzt vor Ort im
Ernstfall verwenden kann, empfiehlt Kröger.
Ein wesentlicher Aspekt bei der Zusammenstellung der Reiseapotheke ist
die Art und Dauer des Urlaubs: «Bei einer kurzen Pauschalreise ist der
Bedarf natürlich weit weniger groß, als wenn jemand für längere Zeit
auf eine Abenteuerreise geht», sagt Kröger. Die Arzneien sollten dann
auch nicht «wild im Koffer verstreut» liegen, sondern am besten in
einem kleinen Extrabeutel, der bei Raumtemperatur gelagert werden kann.
«Bei Reisen in südliche Länder sollte übrigens auf die Mitnahme von
Zäpfchen verzichtet werden, da sie schnell weich werden und dann nicht
mehr verwendet werden können», empfiehlt der CRM-Chef.
Kröger verweist auf Spezialangebote in Apotheken: kleine Taschen, die
bereits alle notwendigen Erste-Hilfe-Utensilien für unterwegs
enthalten. Wenn in diesen Paketen auch bereits Medikamente enthalten
sind, sollte auf den Kauf aber besser verzichtet werden, sagt Martin
Schulz von der ABDA. «Die Medikamente müssen individuell ausgesucht
werden. Denn Kinder brauchen zum Beispiel andere Durchfallmittel als
Erwachsene, für Asthmatiker ist nicht Aspirin, sondern Paracetamol als
Schmerzmittel anzuraten», so der Fachmann. Häufig gefragt werde zudem
nach Schlafmitteln für die Reise. Hier stehe dem Apotheker aber nur ein
kleines Sortiment rezeptfreier Präparate zur Verfügung, so dass in
solchen Fällen am besten der Arzt konsultiert werden sollte.
Eine Besonderheit gilt für die Reiseapotheke chronisch kranker
Menschen: Wer ständig auf bestimmte Medikamente angewiesen ist, sollte
am besten doppelt so viele Tabletten oder Tropfen mitnehmen, wie er
eigentlich benötigt: «Eine Hälfte im Handgepäck, die andere Hälfte
im Koffer - zur Sicherheit, falls mal unterwegs etwas weg kommt», rät
Professor Kröger. Sinnvoll sei es auch, die Substanzen in den Arzneien
genau zu kennen, da die Medikamente im Ausland zum Teil mit anderen
Namen gehandelt werden.
Außerdem spielt bei Reisen in andere Teile des Globus auch die
Zeitverschiebung eine Rolle: Wer seine Arzneimittel zu bestimmten
Uhrzeiten einnehmen muss, hat sich zum Beispiel nach Flügen in die USA
oder nach Australien zunächst erheblich umzustellen und muss eventuell
auch nachts noch einmal zum Pillen-Döschen greifen. »Mit der
Zeitverschiebung kommen die meisten Patienten aber gut zurecht», sagt
Kröger: Schon nach ein paar Tagen sei der Rhythmus wieder da.
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