Reisepass abgelaufen? - Hier die Last-Minute-Hilfe
Manchem Flugreisenden jagt die Frage des Schalterpersonals nach dem
Reisepass einen Schrecken in die Glieder: Abgelaufen oder zu Hause
vergessen - beide Fälle kommen immer wieder vor. Wer ein solches
Missgeschick erst am Flughafen bemerkt, muss den Abflug seiner Maschine
aber nicht unbedingt von der Besucherterrasse aus verfolgen. Auch
kurzfristig kann oft noch geholfen werden.
Für Flüge in die meisten europäischen Ländern genügt ohnehin der
Personalausweis. Schwierig wird es ohne Pass allerdings bei Reisen in
manche osteuropäische Staaten und außerhalb Europas, weiß Olivia
Strese vom Referat für Pass- und Personalausweis-Angelegenheiten des
Bundesinnenministeriums in Berlin. So reicht etwa für die Einreise in
die Tschechische Republik oder nach Ungarn ein Personalausweis -
polnische Grenzbeamten hingegen verlangen einen gültigen Reisepass.
Aber selbst wenn das Zielland auf einen gültigen Pass besteht, gibt es
für Menschen mit ungültigen oder vergessenen Dokumenten noch Hoffnung.
Ein so genannter vorläufiger Reisepass kann Grenzen öffnen. Er muss
zwar von einem Meldeamt ausgestellt werden, doch findet sich in
Flughafennähe fast immer auch ein Ort mit Meldestelle. Das Amt setzt
sich dann mit dem Heimatmeldeamt des Reisenden in Verbindung, und mit
etwas Glück erhält man den Pass - im alten grünen statt im neuen
roten Einband - binnen einer Stunde. Etwa zehn Millionen solcher Reisepässe
wurden seit 1988 von den Meldeämter angefordert.
Der vorläufige Pass kostet 25 Mark und wird weltweit anerkannt. Mit
einer Gültigkeit von bis zu einem Jahr wird er selbst von solchen
Staaten akzeptiert, die für die Einreise einen noch mindestens sechs
Monate gültigen Pass verlangen. Allerdings müssen Reisende mit einem
vorläufigen Pass in der Hand damit rechnen, dass Einwanderungsbeamte
auf fernen Flughäfen zumindest kurz stutzen, weil sie von Deutschen
inzwischen nur noch den roten EU-Pass gewohnt sind, heißt es beim Auswärtigen
Amt in Berlin.
Wem ein solcher Behördengang zu nervenaufreibend ist, kann auch andere
Menschen für sich arbeiten lassen - zumindest am Flughafen
Frankfurt/Main. Dort nimmt sich seit drei Jahren ein Passnotdienst den
vergesslichen Reisenden an. Für eine Gebühr von 250 Mark beschafft die
Servicestelle am Terminal eins den Reisenden den vorläufigen Reisepass.
«Zu unseren Kunden gehören Rucksacktouristen ebenso wie Prominente»,
sagt Jörg Mantik, Geschäftsführer des Dokumentenservice. Und gerade
Leute mit einer großen Reiseroutine passieren solche Missgeschicke: «Geschäftsreisenden
unterlaufen häufig Routinefehler», sagt Mantik. Entweder wurde dann
das Gültigkeitsende übersehen oder der Pass zu Hause liegen gelassen.
In etwa 45 Minuten hat der Dokumentenservice den Pass beschafft. Die Fälle,
in denen Reisende nicht abfliegen, seien selten, sagt Mantik. Doch sind
die Meldestellen geschlossen, ist man auch in Frankfurt ratlos: «Zaubern
können auch wir nicht», sagt Mantik.
In solchen Fällen hilft dann nur noch eines: das Reisedokument als
Passersatz, abgekürzt RAP. Es wird vom Bundesgrenzschutz (BGS) für
eine Gebühr von 15 Mark ausgestellt. «Voraussetzung ist, dass sich der
Reisende ausweisen kann», sagt Peter Heuss vom BGS München.
Der Passersatz, an den weder ein Visum noch Fotos angebracht werden können,
wird allerdings nur von wenigen Ländern vorbehaltlos anerkannt, unter
anderem von Indien und Kenia. In manchen anderen Staaten verhilft das
RAP immerhin dann zur Einreise, wenn es zusammen mit einem gültigen
Personalausweis oder Führerschein vorgelegt wird. Dies trifft nach
Angaben der Grenzschutzdirektion Koblenz unter anderem auf Kanada, Kuba
und Sri Lanka zu. In vielen weiteren Ländern wie zum Beispiel den USA
bringt das RAP Einreisewilligen gar nichts.
1999 wurden allein am Flughafen München mehr als 7.000 RAP ausgestellt.
Am Flughafen Köln/Bonn konnte etwa 3.000 Flugreisenden auf diese Weise
geholfen werden. «Der größte Teil davon besaß einen abgelaufenen
Reisepass», sagt Jörg Bittner vom Bundesgrenzschutz in Köln. «Wer häufiger
verreist, sollte zumindest einmal im Jahr das Ablaufdatum des Passes
kontrollieren», empfiehlt Olivia Strese vom Bundesinnenministerium.
Denn mit einem provisorischen Reisepass in der Hand muss man sich in
fremden Ländern auch auf penible Kontrollen der örtlichen Grenzbeamten
einstellen. «Und eigentlich sollte das Reisen ja immer einfacher werden»,
sagt Strese.
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