Applaus im Urlauberjet -
Etwas Angst fliegt mit...
Sanft
setzt die Boeing 767 nach zehnstündiger Reise aus Mexiko auf der
Landebahn des Flughafens Düsseldorf auf. Ein kurzes, lautes Dröhnen
der Triebwerke noch - der Umkehrschub bremst den Jet von Tempo 250 jäh
ab - dann kommt, zögernd, leichter Beifall der über 200 Passagiere
auf. «Die Leute werden immer flugerfahrener», meint Bernd Bockstahler
von der Pilotenvereinigung «Cockpit» in Frankfurt/Main. «Früher war
der Beifall - überwiegend bei Charterflügen - meist ein Zeichen der
Erleichterung. Heute ist für die meisten das Fliegen nichts so
Besonderes mehr.».
«Je mehr die Passagiere vom Fliegen und seinen Besonderheiten
wissen, um so beruhigter lehnen sie sich im Sessel zurück», weiß
Bockstahler. «Insofern spielt auch die Landung bei den meisten nur
selten noch eine Rolle.» Ob eine Landung sanft oder mal etwas härter
ausfällt, habe mit der Sicherheit oder der Qualität des Piloten meist
absolut nichts zu tun.
Eine «harte» Landung kann mitunter sogar viel sicherer sein, erläutert
Pierre de la Motte von der Fluggesellschaft LTU: «Das hängt zum
Beispiel vom Zustand der Landbahn ab - oder auch von den Windverhältnissen.»
Dazu Bernd Bockstahler: «Es gibt Situationen, in denen das Flugzeug
geradezu 'hingerotzt' werden muss, weil nämlich die Landebahn nass ist.»
Eine elegante Landung auf feuchter Bahn - da könne der Flieger eher ins
Rutschen kommen, als wenn er «Knall-Bumm» aufsetze.
Die meisten Sorgen bereiten auch flugerfahrenen Passagieren immer wieder
Turbulenzen. «Viele sprechen unsinnigerweise von Luftlöchern», sagt
de la Motte. «Löcher in einem Gas - so etwas gibt es nicht. Es handelt
sich vielmehr um Luft-Wirbel, die sich mit hoher Geschwindigkeit
entweder nach oben oder nach unten bewegen.» Viele können per Radar
vorausgesehen werden, so dass rechtzeitig die «Anschnallzeichen»
eingeschaltet werden können.
Problematischer sind Turbulenzen, die buchstäblich aus heiterem Himmel
kommen. «Aus diesem Grund kann immer wieder nur empfohlen werden, während
des gesamten Fluges locker angeschnallt zu bleiben», sagt Bockstahler.
«Denn Turbulenzen können nur dann gefährlich werden, wenn man nicht
angeschnallt ist.» Und Pierre de la Motte ergänzt: «Auch wenn die
Turbulenzen für den Passagier manchmal unangenehm erscheinen - dem
Flugzeug sind sie egal. Also: Keine Angst, wenn's mal rüttelt und schüttelt,
sondern anschnallen.»
Einen dringenden Appell hat auch der Sprecher der Pilotenvereinigung: «Bitte
zuhören, wenn an Bord die Sicherheitseinrichtungen erklärt werden. Ein
Druckabfall in der Kabine ist zunächst nichts Gefährliches. Probleme
gibt es aber, wenn kaum jemand weiß, wie die herabfallenden
Sauerstoffmasken im Notfall zu handhaben sind. Auch sollte man sich
einprägen, wo die Notausgänge sind.»
Wertvolle Hilfen und Informationen rund um das Fliegen geben oft auch
die Bordmagazine der Fluggesellschaften. Peter Hauptvogel, Sprecher von
Air Berlin, nennt Beispiele: «Wenn der Pilot die Maschine zum Start
beschleunigt, haben die Gäste hinten das Gefühl, dass der Jet nicht
genau auf der Mitte der Bahn bleibt und sogar schlingert.» Tatsächlich
müsse der Pilot bei starkem Seitenwind schon auf der Erde gegensteuern.
Die Abweichungen von der Mittellinie betrügen aber höchstens einen
Meter.
Ein weiteres Beispiel: «Kurz nach dem Start poltert es im Rumpf.» Das
bedeute, so Hauptvogel, dass das Fahrwerk in die Sicherungen einrastet
und die Klappen der Schächte sich schließen. Oft wundern sich
Passagiere in der Flugzeugmitte auch über ein lautes Summen.
Hauptvogel: «Das kommt von den Hydraulikmotoren, mit deren Hilfe die
Landeklappen - auch beim Start - bewegt werden.»
Beruhigen können die Flugprofis die Passagiere übrigens selbst für
den Fall, dass einmal ein Triebwerk ausfällt oder abgeschaltet werden
muss: Auch ein zweistrahliger Jet kann problemlos mit einem Triebwerk
fliegen. Jede Flugroute muss so gewählt werden, dass in einem solchen
Fall innerhalb von drei Stunden ein Flughafen zu erreichen ist.
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